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Infoveranstaltung am 19. November 2021

Am Freitag, den 19. November 2021 fand der 8. Info Day für Elektroplaner, Elektroinstallateure und PV-Anlagenerrichter (wieder als Gemeinschaftsveranstaltung von illwerke vkw mit der Innung der Elektrotechniker (Wirtschaftskammer) und dem Land Vorarlberg) erstmals als Web-Veranstaltung mit einem interessanten Programm statt (siehe Programm).

Organisator und IM Klaus Ehgartner sowie GF Johannes Türtscher von Vorarlberg Netz begrüßten die Gäste. GF Türtscher stellte die herausfordernde Situation für die Netzbetreiber dar und bedauerte, dass wegen der Corona-Pandemie keine vor-Ort-Veranstaltung möglich war.

Thomas Becker vom PV-Planungsbüro ATB Becker Tirol informierte über die ambitionierten energiepolitischen Ziele bei der Photovoltaik und sprach sich für qualitative handwerkliche Lösungen mit einem soliden Preis/Leistungsverhältnis aus (siehe Vortrag).

Hagspiel Walter (Projekt Smart Meter) berichtete über den laufenden Smart-Meter Einbau mit 20 Monteuren und 1000 Zählern pro Woche. Erläuterungen der 3 Konfigurationsarten Standard, Plus (Opt-In), Light (Opt-Out) folgten. In der TAEV wurden kleinere Änderungen durchgeführt, z. B. bei den Steuersicherungen. Die Einbauhöhen müssen passen, hier gab es Änderungen wegen großer SM-Zähler. Hinweise zur Problematik überbrückter Zählerklemmleisten wegen PV-Inbetriebnahmen ergänzten den Beitrag (siehe Vortrag).
Nachtrag:
Bezüglich der Kundenschnittstelle des Smart Meter sind uns derzeit zwei Anbieter von Adaptern bekannt:

  • Fa. Cuculus
  • Fa. Ginzinger

Feuerstein Daniel (Netzzugang) berichtete über die Anforderungen in der Marktregel TOR Erzeuger der E-Control und der System Operations Guideline (SOGL) bei größeren Erzeugungsanlagen. Erneuerbare Energiegemeinschaften (EEG) entstehen in lokalen und regionalen Bereichen. Geografische Informationen über den Nahebereich bietet die sog. Digitale Betreiberkarte (siehe Vortrag).

Danach berichtete IM Klaus Ehgartner über aktuelle Entwicklungen aus der Branche:

  • Auch im 4. Lockdown wird man vss. auf den Baustellen weiterarbeiten dürfen.
  • e-Marke viele Sparten - Werbung verstärken. Alle Elektriker dürfen das e-Marke Logo Österreich tragen. Die e-Marke wird für alle geöffnet und bleibt ein Qualitätsverbund. Seitens WKO gibt es Unterschiede zwischen zahlenden und nicht zahlenden Mitgliedern.
  • Die Tagung der Bundesinnung fand in Vorarlberg statt und war ein schönes Treffen mit einigen Höhepunkten wie der Vorführung der Tontechnik der Bregenzer Seebühne, Lichtlabor bei Zumtobel und einer Bodenseefahrt.
  • ÖVE E8101 als großes Standardwerk - kommt alle 5 Jahre neu, vss. 2024 od. 2025. Bundesseitig ist eine Beschaffung der 8101 für alle möglich, Kurse dazu besuchen!
  • Fachkräftemangel ist ein Problem, ev. verkürzte Ausbildung als Elektropraktiker für PV oder E-Mob. - werden vom AMS ausgebildet. Duale Akademie für Studienabbrecher soll mit verkürzter Ausbildung für Elektrotechnik begeistern.
  • Wir suchen dringend Leute, die bei der Meisterprüfung mitarbeiten. Mittlerweile Level NQR 6 sehr anspruchsvoll. Auch wir in Vlbg. sollten Prüfungsbeispiele beisteuern für Elektroinstallationstechnik, Energieversorgung, Blitzschutz, Unternehmensführung, auch in der Meisterprüfungskommission. Bitte mithelfen!
  • Die KV-Verhandlungen wurden heute abgeschlossen. Istlöhne + 3 %, Mindestlöhne KV + 3,45 %.
  • Reparaturbonus: Wir sind gegen Reparaturcafes. Alternativ beim Elektriker wird erarbeitet.
    Unternehmensseitige und kundenseitige Registrierung vorgesehen, Zuschuss möglich, max. € 250,- je Auftrag.

Markus Läßer, Amtssachverständiger in der Vorarlberger Landesregierung berichtet:

Elektrotechnik-Verordnung ETV 2020: Früher gab es verbindlich erklärte Vorschriften und Normen, nun kundgemachte Normen. Verbindliche Normen müssen gratis beziehbar sein. Die ÖVE E8101 ist nicht verbindlich und muss gekauft werden. Mit einer Risikobeurteilung kann von Normen abgewichen werden.
Bereits 2017 hatte Läßer schon über Bescheinigungen für el. Anlagen berichtet: Bescheinigungen (Fassung 2020 siehe Link) über den Zustand einer el. Anlage sind eine zusammenfassende Erklärung, ersetzen aber nicht die vollständige Prüfbescheinigung gem. ÖVE E8101 oder das Anlagenbuch - herunterladbar von der Homepage des Landes Vlbg. (siehe Vortrag).

Christian Vögel, Landesenergiekoordinator, skizzierte den Energie- und Klimaschutz bis 2030, viel für Elektriker dabei! Im Frühjahr 2021 fasste die Landesregierung einen einstimmigen Landtagsbeschluss mit Strategierahmen bis 2030 - kompatibel mit "EU fit for 55" Paket.
www.energieautonomie-vorarlberg.at (siehe Vortrag).

  • Bis 2030 wird ein 50 % Anteil an erneuerbaren Energieträgern (alle, nicht nur Strom) angestrebt. Strom soll jahresbilanziell zu 100 % aus Erneuerbaren stammen. Die saisonale Winterstromlücke wird bleiben. Die PV wird den Zuwachs ausmachen müssen. Dzt. sind in Vorarlberg über 100GWh PV installiert.
  • Emissionen um 50 % reduzieren - das Wegkommen vom Erdgas ist noch sehr schwierig vorstellbar.
  • Im Gebäudebereich Schwerpunkt PV und E-Mobilität.
  • Energieerz. und Infrastruktur: Das Stromnetz muss alles können! Drei große Wasser-KW sind noch auszubauen, zudem Fernwärme in Ballungszentren, um fossile Wärme zu ersetzen.
  • Mobilitätssektor: Hier ist der Trend noch am negativsten. E-Fahrrad hat hohes Potenzial, um kurze Fahrten zu ersetzen. Bahn, und Bus, und diese besonders im Focus, da noch im fossil (dzt 4 E-Busse, nächstes Jahr 3 weitere, insgesamt haben wir 320 Busse). 90 % sollen bis 2030 mit alternativen Antrieben umgestellt werden ebenso der Schwerverkehr als großes Ziel!
  • In Vlbg gibt es 220.000 PKWs, bis 2030 sollen davon 30 % reine batteriebetriebene Fzge (BEV) sein. Ausbau der Ladeinfrastruktur, insbes. der privaten Wallboxen.
  • Industrie und Gewerbe: PV auf Dächern und nicht auf Freiflächen: Großindustriedächer sinnvoll, da dort auch hoher Stromverbrauch. Energieersatzlösungen bei Industrie noch sehr schwierig, Technologie noch nicht geklärt. Keine Hochtemperaturprozesse in Vlbg.
  • Land- und Forstwirtschaft: Viehhaltung, Böden nehmen CO2 auf, PV-Anlagen auf den großen Dächern.
  • Monitoring jährlich: Wo stehen wir - ggf. Maßnahmen durch Bund-Land.
  • Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzespaket: EAG - Investitionszuschuss-VO Strom: Erzeuger Kat. A bis 10kWp fixer Zuschuss pro kWp, Kat. B, C, D, nach Ausschreibung.
  • Novelle Wohnungseigentumsgesetz (WEG) kommt mit Änderungen bei den Ladestellen für E-Mobilität: Gemeinschaftsanlagen haben Vorrang! Langsamladen = 3,7kW 1-phasig ODER 5,5kW 3-phasig (besser für das Netz).
  • Nächstes Jahr Erneuerbaren-Wärmegesetz mit Aus für Ölheizungen
  • Hinweis auf pfiffige WKO Broschüre Die Zukunft der Elektrotechnik: Trends, Innovationen, Berufsbild.

Schober Lukas (Netzplanung Vorarlberg Netz) erklärte die wichtigsten Inhalte der neuen Marktregel TOR Lasten Verteilernetz (erscheint im Q1-2022) mit Ansteuerung von Ladestellen der E-Mobilität (Wallboxen) und Wärmepumpen (WP). Das unternehmenseigene Zukunftsprojekt Mission 2030 zeigt Entwicklungen und Strategien der Vorarlberger Energienetze (siehe Vortrag).

Thurnher Thomas (Netzzugang) berichtet über die Modernisierung der Netzanschlussprozesse. Der sog. Digitale Netzanschluss soll eine Beschleunigung und Erleichterung für alle bringen - Einführung Quartal1-2022 (siehe Vortrag).

Stefan Hartmann (VKW Mobilität) zeigt Trends bei der Elektromobilität auf. Förderungen wirken als Treiber für E-Mobilität. Gründe für Wallboxen sind Sicherheit (der Schukostecker als Alternative hat die Problematik der therm. Überlastung) und Komfort (Auto ist beim Wegfahren immer voll). Auch die Autobauer unterstützen eine verlässliche Ladung über Wallboxen.

Neu: Kooperationsangebot der VKW Vlotte an die Elektriker. Wallboxen können bezogen werden, z. B. von KEBA (wir kennen uns gut aus), Webasto (Deutschland), sowie ABB (ansteuerbar). Deren Eigenschaften werden beschrieben. Kontakt Rudolf.Kloser@illwerkevkw.at oder Michael.Bader@illwerkevkw.at (siehe Vortrag).

Reinhard Nenning (Netzplanung) beantwortete im Chat gestellte Fragen online.

Den gewohnten Ausklang zu einem gemütlichen offenen Austausch mit kleiner Jause und Getränk konnte es heuer leider nicht geben.

Die erfolgreiche Partnerschaft auf Augenhöhe zwischen Handwerk und Netzbetreibern ist für die Elektrobranche in Vorarlberg wichtig und wird mit solchen Veranstaltungen gut unterstützt. Die Elektriker lobten im Chat abschließend den hohen Praxisbezug und die interessanten und sehr aktuellen Beiträge der Referenten.